Praktikum allgemein1. Februar 2026

Praktikum abbrechen: Wann ist es OK?

Praktikum abbrechen: Wann ein Abbruch gerechtfertigt ist, wie du richtig vorgehst und welche Konsequenzen es haben kann. Ehrlicher Ratgeber für schwierige Situationen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gesundheitliche Probleme, Rechtsverstöße und Belästigung sind klare Gründe für einen Abbruch
  • Gib dem Praktikum mindestens eine Woche, bevor du urteilst
  • Suche zuerst das Gespräch mit dem Betreuer – vielleicht lässt sich das Problem lösen
  • Informiere Schule oder Hochschule rechtzeitig über den Abbruch
  • Verabschiede dich professionell und im Guten
  • Ein Praktikumsabbruch muss nicht im Lebenslauf stehen
  • Die Erkenntnis, dass etwas nicht passt, ist auch eine wertvolle Erfahrung

Wenn das Praktikum nicht läuft

Nicht jedes Praktikum wird zur positiven Erfahrung. Manchmal stimmen die Aufgaben nicht, das Arbeitsklima ist schlecht, oder du merkst einfach, dass der Beruf gar nicht zu dir passt. In solchen Momenten stellt sich die Frage: Darf ich das Praktikum abbrechen? Die Antwort ist: Ja, grundsätzlich darfst du. Aber es kommt auf die Umstände an.

Gute Gründe für einen Abbruch

Es gibt Situationen, in denen ein Abbruch nicht nur verständlich, sondern sogar richtig ist:

Gesundheitliche Probleme

Wenn das Praktikum deine körperliche oder psychische Gesundheit gefährdet, solltest du es abbrechen. Dazu gehören: extreme Überlastung, Mobbing, gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen oder psychischer Druck. Deine Gesundheit geht immer vor.

Rechtsverstöße im Betrieb

Wenn der Betrieb gegen Arbeitsschutzvorschriften verstößt, dich zu illegalen Tätigkeiten auffordert oder das Jugendarbeitsschutzgesetz missachtet, ist ein sofortiger Abbruch gerechtfertigt. Dokumentiere die Verstöße und informiere gegebenenfalls die zuständige Behörde.

Belästigung oder Diskriminierung

Sexuelle Belästigung, Rassismus oder andere Formen der Diskriminierung sind absolut inakzeptabel. In solchen Fällen musst du das Praktikum nicht fortsetzen. Wende dich an eine Vertrauensperson, die Schule oder eine Beratungsstelle.

Systematische Ausbeutung

Wenn du als billige Arbeitskraft missbraucht wirst – also keine Lernmöglichkeiten bekommst und nur Kaffee kochen, putzen oder sinnlose Aufgaben erledigen sollst – läuft etwas grundlegend falsch. Ein Praktikum soll dir etwas beibringen, nicht den Betrieb kostenlose Arbeitskraft liefern.

Schlechte Gründe für einen Abbruch

Es gibt aber auch Situationen, in denen ein Abbruch voreilig wäre:

  • Langeweile in den ersten Tagen: Jeder Anfang ist schwer. Gib dem Praktikum mindestens eine Woche, bevor du urteilst.
  • Einzelne schlechte Tage: Auch im besten Job gibt es schlechte Tage. Unterscheide zwischen einem grundsätzlichen Problem und einem vorübergehenden Tief.
  • Aufgaben gefallen nicht: Nicht jede Aufgabe im Arbeitsleben ist spannend. Manchmal lernst du gerade durch die langweiligen Aufgaben etwas über den Berufsalltag.
  • Heimweh: Besonders bei Auslandspraktika oder dem ersten Praktikum fernab von Zuhause ist Heimweh normal. Es legt sich meist nach wenigen Tagen.

So gehst du bei einem Abbruch richtig vor

Wenn du dich für einen Abbruch entschieden hast, gehe professionell vor:

1. Gespräch suchen

Sprich zuerst mit deinem Betreuer im Betrieb. Erkläre ruhig und sachlich, warum du das Praktikum beenden möchtest. Vielleicht lassen sich die Probleme lösen – ein Abteilungswechsel oder neue Aufgaben können manchmal Wunder wirken.

2. Schule oder Hochschule informieren

Bei einem Schülerpraktikum oder Pflichtpraktikum musst du die Schule oder Hochschule über den Abbruch informieren. Besprich mit deinem Lehrer oder dem Prüfungsamt, wie es weitergeht und ob du das Praktikum an anderer Stelle nachholen musst.

3. Schriftliche Kündigung

Auch wenn es formell nicht immer nötig ist, schadet es nicht, den Abbruch schriftlich zu bestätigen. So hast du einen Nachweis und vermeidest Missverständnisse.

4. Professionell verabschieden

Verlasse den Betrieb im Guten. Bedanke dich für die Erfahrung und verabschiede dich ordentlich. Du weißt nie, ob du dem Unternehmen oder den Kollegen noch einmal begegnest.

Konsequenzen eines Abbruchs

Ein Praktikumsabbruch hat in der Regel keine schwerwiegenden Konsequenzen für deine Karriere. Du musst ihn nicht im Lebenslauf angeben, wenn er nur wenige Tage dauerte. Bei einem Pflichtpraktikum musst du allerdings einen neuen Platz finden und die vorgeschriebene Dauer nachholen. Und natürlich: Eine ehrliche Reflexion, warum es nicht geklappt hat, hilft dir bei der Wahl des nächsten Praktikums.

Fazit: Abbrechen ist keine Schande

Einen Abbruch als Versagen zu betrachten, ist falsch. Manchmal ist die Erkenntnis, dass ein Beruf oder Betrieb nicht zu dir passt, genauso wertvoll wie eine positive Erfahrung. Wichtig ist, dass du dir die Entscheidung nicht zu leicht machst, professionell vorgehst und daraus lernst.

Häufige Fragen

Muss ich ein Pflichtpraktikum trotzdem nachholen, wenn ich abbreche?
Ja, wenn das Praktikum in deiner Studien- oder Schulordnung vorgeschrieben ist, musst du es an anderer Stelle nachholen. Sprich mit dem Prüfungsamt oder deiner Schule über die Möglichkeiten und Fristen.
Kann der Betrieb mich zwingen, das Praktikum fortzusetzen?
Nein, niemand kann dich zwingen zu arbeiten. Wenn du gehst, kann der Betrieb dich nicht zurückhalten. Bei einem Praktikumsvertrag kann es aber Fristen geben, die du einhalten solltest.
Sieht ein Praktikumsabbruch schlecht im Lebenslauf aus?
Einen sehr kurzen Abbruch musst du gar nicht im Lebenslauf erwähnen. Bei einem längeren Praktikum kannst du es aufführen und im Bewerbungsgespräch ehrlich erklären, warum du abgebrochen hast. Ehrlichkeit wird meistens positiv bewertet.
An wen kann ich mich wenden, wenn ich Probleme im Praktikum habe?
Erste Anlaufstellen sind: dein Betreuer im Betrieb, deine Eltern, dein Lehrer oder Professor, die Schüler- oder Studierendenvertretung, und bei schwerwiegenden Problemen die Arbeitsschutzbehörde oder eine Rechtsberatung.

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Stand: Februar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr