Praktikum allgemein1. Februar 2026

Praktikumszeugnis: So liest du es richtig

Praktikumszeugnis richtig lesen und verstehen: Was die Formulierungen wirklich bedeuten, welche Arten es gibt und was du bei Problemen tun kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Du hast Anspruch auf ein Praktikumszeugnis – fordere es aktiv ein
  • Ein qualifiziertes Zeugnis mit Bewertung ist wertvoller als ein einfaches
  • Zeugnissprache ist verschlüsselt: 'stets zur vollsten Zufriedenheit' ist die Bestnote
  • Achte auf Warnsignale wie 'war stets bemüht' oder fehlende Schlussformeln
  • Bei einem schlechten Zeugnis darfst du um Änderung bitten
  • Fordere das Zeugnis zeitnah nach dem Praktikum an

Warum das Praktikumszeugnis wichtig ist

Nach einem Praktikum hast du Anspruch auf ein Praktikumszeugnis – und du solltest diesen Anspruch auch nutzen. Das Zeugnis dokumentiert deine Erfahrungen und Leistungen und kann bei zukünftigen Bewerbungen den entscheidenden Unterschied machen. Egal ob für eine Ausbildung, ein Studium oder einen Job: Ein gutes Praktikumszeugnis zeigt, dass du bereits praktische Erfahrung gesammelt hast.

Einfaches vs. qualifiziertes Zeugnis

Es gibt zwei Arten von Praktikumszeugnissen:

Einfaches Zeugnis

Das einfache Zeugnis bestätigt lediglich die Fakten: deinen Namen, den Zeitraum des Praktikums, die Abteilung und die Art der Tätigkeiten. Es enthält keine Bewertung deiner Leistungen oder deines Verhaltens. Dieses Zeugnis bekommst du automatisch.

Qualifiziertes Zeugnis

Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzlich eine Bewertung deiner Leistungen, deiner Fähigkeiten und deines Verhaltens. Es ist deutlich wertvoller für deine Bewerbungsunterlagen. Du musst es aber aktiv beim Arbeitgeber einfordern – am besten schon zum Ende des Praktikums.

Die Geheimsprache der Zeugnisse

Arbeitszeugnisse in Deutschland folgen einer verschlüsselten Sprache. Was positiv klingt, kann in Wirklichkeit eine schlechte Bewertung sein. Hier die wichtigsten Formulierungen im Überblick:

Leistungsbewertung

  • "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" = Note 1 (sehr gut)
  • "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" = Note 2 (gut)
  • "zu unserer vollen Zufriedenheit" = Note 3 (befriedigend)
  • "zu unserer Zufriedenheit" = Note 4 (ausreichend)
  • "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" = Note 5 (mangelhaft)

Achte auf die kleinen Wörter: stets, voll und vollst machen den entscheidenden Unterschied.

Verhaltensbeurteilung

Auch beim Verhalten gibt es typische Abstufungen:

  • "war stets vorbildlich" = hervorragendes Verhalten
  • "war einwandfrei" = gutes Verhalten
  • "war ohne Beanstandung" = durchschnittliches Verhalten
  • "gab keinen Anlass zu Beanstandungen" = unterdurchschnittliches Verhalten

Warnsignale im Zeugnis

Bestimmte Formulierungen sind versteckte Kritik. Sei aufmerksam bei:

  • "Er war stets bemüht" = Er hat es versucht, aber nicht geschafft
  • "Er zeigte Interesse an den Aufgaben" = Er hat wenig tatsächlich geleistet
  • "Sie war gesellig und beliebt" = Sie hat mehr geredet als gearbeitet
  • Fehlende Schlussformel: Wenn das Zeugnis keine Dankes- und Bedauernsformel enthält, ist das ein negatives Signal

Was tun bei einem schlechten Zeugnis?

Wenn du mit deinem Zeugnis nicht zufrieden bist, hast du mehrere Möglichkeiten:

  • Das Gespräch suchen: Sprich den Arbeitgeber direkt an und bitte um Änderung. Oft passieren Formulierungsfehler ohne böse Absicht.
  • Konkret werden: Benenne genau, welche Formulierungen du geändert haben möchtest, und schlage Alternativen vor.
  • Schriftlich widersprechen: Wenn das Gespräch nichts bringt, kannst du schriftlich um eine Korrektur bitten.
  • Rechtliche Beratung: Im Extremfall kann eine Rechtsberatung helfen. Arbeitnehmer und auch Praktikanten haben Anspruch auf ein wohlwollendes Zeugnis.

Tipps zum Umgang mit dem Praktikumszeugnis

Fordere das Zeugnis zeitnah nach dem Praktikum an – idealerweise am letzten Tag oder kurz danach. Je länger du wartest, desto schwieriger wird es für den Arbeitgeber, ein aussagekräftiges Zeugnis zu schreiben. Prüfe das Zeugnis sofort nach Erhalt auf Fehler und unklare Formulierungen. Und bewahre es sorgfältig auf: Es gehört zu deinen wichtigen Bewerbungsunterlagen.

Häufige Fragen

Habe ich als Praktikant Anspruch auf ein Zeugnis?
Ja, laut Gewerbeordnung hat jeder Arbeitnehmer – und dazu zählen auch Praktikanten – Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Bei einem einfachen Zeugnis reicht eine Anfrage, für ein qualifiziertes Zeugnis musst du es ausdrücklich verlangen.
Bekomme ich auch nach einem Schülerpraktikum ein Zeugnis?
Ja, auch nach einem Schülerpraktikum solltest du eine Bescheinigung oder ein Zeugnis erhalten. Bei Schülerpraktika ist es oft ein einfacheres Dokument, aber frage ruhig nach einem ausführlicheren Zeugnis.
Wie lange darf der Arbeitgeber für das Zeugnis brauchen?
Ein fester Zeitraum ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber das Zeugnis sollte innerhalb von zwei bis vier Wochen ausgestellt werden. Wenn es länger dauert, erinnere freundlich daran.
Kann ich das Zeugnis selbst vorschreiben?
Es ist durchaus üblich, dem Arbeitgeber einen Entwurf für das Zeugnis vorzulegen. Viele Unternehmen sind dankbar für die Arbeitserleichterung und übernehmen den Entwurf ganz oder teilweise.

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Stand: Februar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr