Warum ist das Praktikumszeugnis wichtig?
Nach einem Praktikum hast du Anspruch auf ein Praktikumszeugnis – und du solltest diesen Anspruch auch nutzen. Das Zeugnis dokumentiert deine Erfahrungen und Leistungen und kann bei zukünftigen Bewerbungen den entscheidenden Unterschied machen. Egal ob für eine Ausbildung, ein Studium oder einen Job: Ein gutes Praktikumszeugnis zeigt, dass du bereits praktische Erfahrung gesammelt hast.
Was ist der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Praktikumszeugnis?
Es gibt zwei Arten von Praktikumszeugnissen:
Einfaches Zeugnis
Das einfache Zeugnis bestätigt lediglich die Fakten: deinen Namen, den Zeitraum des Praktikums, die Abteilung und die Art der Tätigkeiten. Es enthält keine Bewertung deiner Leistungen oder deines Verhaltens. Dieses Zeugnis bekommst du automatisch.
Qualifiziertes Zeugnis
Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzlich eine Bewertung deiner Leistungen, deiner Fähigkeiten und deines Verhaltens. Es ist deutlich wertvoller für deine Bewerbungsunterlagen. Du musst es aber aktiv beim Arbeitgeber einfordern – am besten schon zum Ende des Praktikums.
Wie entschlüsselst du die Geheimsprache im Praktikumszeugnis?
Arbeitszeugnisse in Deutschland folgen einer verschlüsselten Sprache. Was positiv klingt, kann in Wirklichkeit eine schlechte Bewertung sein. Hier die wichtigsten Formulierungen im Überblick:
Leistungsbewertung
- "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" = Note 1 (sehr gut)
- "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" = Note 2 (gut)
- "zu unserer vollen Zufriedenheit" = Note 3 (befriedigend)
- "zu unserer Zufriedenheit" = Note 4 (ausreichend)
- "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" = Note 5 (mangelhaft)
Achte auf die kleinen Wörter: stets, voll und vollst machen den entscheidenden Unterschied.
Verhaltensbeurteilung
Auch beim Verhalten gibt es typische Abstufungen:
- "war stets vorbildlich" = hervorragendes Verhalten
- "war einwandfrei" = gutes Verhalten
- "war ohne Beanstandung" = durchschnittliches Verhalten
- "gab keinen Anlass zu Beanstandungen" = unterdurchschnittliches Verhalten
Warnsignale im Zeugnis
Bestimmte Formulierungen sind versteckte Kritik. Sei aufmerksam bei:
- "Er war stets bemüht" = Er hat es versucht, aber nicht geschafft
- "Er zeigte Interesse an den Aufgaben" = Er hat wenig tatsächlich geleistet
- "Sie war gesellig und beliebt" = Sie hat mehr geredet als gearbeitet
- Fehlende Schlussformel: Wenn das Zeugnis keine Dankes- und Bedauernsformel enthält, ist das ein negatives Signal
Was tun bei einem schlechten Zeugnis?
Wenn du mit deinem Zeugnis nicht zufrieden bist, hast du mehrere Möglichkeiten:
- Das Gespräch suchen: Sprich den Arbeitgeber direkt an und bitte um Änderung. Oft passieren Formulierungsfehler ohne böse Absicht.
- Konkret werden: Benenne genau, welche Formulierungen du geändert haben möchtest, und schlage Alternativen vor.
- Schriftlich widersprechen: Wenn das Gespräch nichts bringt, kannst du schriftlich um eine Korrektur bitten.
- Rechtliche Beratung: Im Extremfall kann eine Rechtsberatung helfen. Arbeitnehmer und auch Praktikanten haben Anspruch auf ein wohlwollendes Zeugnis.
Wann solltest du dein Praktikumszeugnis anfordern und worauf prüfst du es?
Fordere das Zeugnis zeitnah nach dem Praktikum an – idealerweise am letzten Tag oder kurz danach. Je länger du wartest, desto schwieriger wird es für den Arbeitgeber, ein aussagekräftiges Zeugnis zu schreiben. Prüfe das Zeugnis sofort nach Erhalt auf Fehler und unklare Formulierungen. Und bewahre es sorgfältig auf: Es gehört zu deinen wichtigen Bewerbungsunterlagen.