Praktikumszeugnis: Die Geheimsprache der Arbeitgeber
Nach deinem Praktikum hast du Anspruch auf ein Zeugnis. Aber was steht da wirklich drin? Arbeitszeugnisse in Deutschland folgen einer codierten Sprache – positive Formulierungen können in Wahrheit Kritik bedeuten. Hier lernst du, die Codes zu knacken.
Die Noten-Skala im Zeugnis
| Note | Formulierung (Leistung) |
|---|---|
| Sehr gut (1) | "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" |
| Gut (2) | "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" |
| Befriedigend (3) | "zu unserer vollen Zufriedenheit" |
| Ausreichend (4) | "zu unserer Zufriedenheit" |
| Mangelhaft (5) | "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" |
Achte auf die Feinheiten: "stets" und "vollsten" machen den Unterschied zwischen Note 1 und 3.
Typische Geheimcodes
"Er/Sie war stets bemüht..." = Hat es versucht, aber nicht geschafft. Sehr negative Formulierung!
"Er/Sie war sehr gesellig." = Hat zu viel gequatscht statt gearbeitet.
"Er/Sie erledigte die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit." = Nur Durchschnitt (Note 4).
"Er/Sie hat sich im Rahmen seiner/ihrer Möglichkeiten eingesetzt." = Die Möglichkeiten waren begrenzt. Negativ.
"Er/Sie zeigte Verständnis für die Arbeit." = Hat zugeschaut statt mitgemacht.
Was ein gutes Zeugnis enthalten sollte
Ein vollständiges Praktikumszeugnis enthält: Praktikumszeitraum, Aufgabenbeschreibung, Leistungsbeurteilung (mit "stets" und "vollsten"), Verhaltensbeurteilung (gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden), Schlussformel mit Dank und Zukunftswünschen, Datum und Unterschrift.
Was tun bei schlechtem Zeugnis?
Gespräch suchen: Sprich deinen Vorgesetzten an und bitte um Verbesserung. Erkläre, welche Formulierungen du dir wünschst.
Schriftlich nachfordern: Wenn das Gespräch nichts bringt, fordere schriftlich ein korrektes Zeugnis an. Du hast das Recht auf ein wohlwollendes Zeugnis.
Kein Zeugnis erhalten? Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf ein Zeugnis – auch bei einem Praktikum. Fordere es schriftlich ein.