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Praktikum allgemein8. Februar 2026

Lehrkräfte-Guide: Praktikumsbetreuung in der Schule

Als Lehrkraft spielen Sie eine zentrale Rolle bei der Praktikumsbetreuung. Erfahren Sie alles über Organisation, Betreuungsbesuche, Bewertung und Nachbereitung von Schülerpraktika.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beginnen Sie mit der Praktikumsvorbereitung mindestens drei bis vier Monate im Voraus
  • Nutzen Sie den Unterricht für Bewerbungstraining, Verhaltensregeln und rechtliche Grundlagen
  • Führen Sie mindestens einen Betreuungsbesuch pro Schüler im Betrieb durch
  • Legen Sie Bewertungskriterien transparent vor dem Praktikum fest
  • Bewerten Sie vor allem die Reflexionstiefe im Praktikumsbericht, nicht nur die Form
  • Pflegen Sie eine Datenbank bewährter Praktikumsbetriebe für zukünftige Jahrgänge
  • Nehmen Sie sich ausreichend Unterrichtszeit für die Nachbereitung

Lehrkräfte-Guide: So gelingt die Praktikumsbetreuung

Als Lehrkraft sind Sie eine zentrale Bezugsperson für Ihre Schülerinnen und Schüler – auch und gerade während des Betriebspraktikums. Von der Vorbereitung über die Betreuung bis zur Nachbereitung haben Sie vielfältige Aufgaben, die den Erfolg des Praktikums maßgeblich beeinflussen. Dieser Ratgeber bietet Ihnen einen umfassenden Leitfaden für die Praktikumsbetreuung, mit praktischen Tipps und bewährten Methoden.

Vorbereitung: Den Grundstein legen

Zeitplan erstellen

Beginnen Sie mit der Vorbereitung des Praktikums mindestens drei bis vier Monate vor dem Praktikumszeitraum. Ein klarer Zeitplan hilft Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern, den Überblick zu behalten:

  • 4 Monate vorher: Informationsveranstaltung für Schüler und Eltern, Praktikumsplatzsuche anstoßen
  • 3 Monate vorher: Bewerbungstraining, Lebenslauf und Anschreiben im Unterricht behandeln
  • 2 Monate vorher: Praktikumsplätze sichern, Verträge verteilen und einsammeln
  • 1 Monat vorher: Verhaltensregeln besprechen, Praktikumsmappe oder -bericht vorbereiten
  • 1 Woche vorher: Letzte organisatorische Details klären, Notfallkontakte austauschen

Unterrichtliche Vorbereitung

Nutzen Sie den Unterricht vor dem Praktikum, um Ihre Schülerinnen und Schüler optimal vorzubereiten:

  • Berufsfelder erkunden: Lassen Sie die Schüler verschiedene Berufsfelder recherchieren und präsentieren
  • Bewerbungstraining: Üben Sie Bewerbungsschreiben, Lebensläufe und Vorstellungsgespräche
  • Verhaltensregeln: Besprechen Sie Themen wie Pünktlichkeit, Dresscode, Umgangsformen und Schweigepflicht
  • Rechtliche Grundlagen: Informieren Sie über Arbeitszeiten (Jugendarbeitsschutzgesetz), Versicherung und Rechte im Praktikum
  • Erwartungsmanagement: Sprechen Sie offen darüber, dass ein Praktikum nicht jeden Tag aufregend ist

Organisatorische Aufgaben

Als betreuende Lehrkraft fallen zahlreiche organisatorische Aufgaben an:

  • Praktikumsvereinbarungen an Betriebe und Eltern verteilen und unterschrieben einsammeln
  • Liste aller Praktikumsplätze mit Adressen, Ansprechpartnern und Telefonnummern erstellen
  • Notfallkontakte der Eltern und des Betriebs sammeln
  • Betreuungsbesuche planen und Termine mit den Betrieben abstimmen
  • Praktikumsmappe oder -bericht vorbereiten und die Anforderungen kommunizieren

Während des Praktikums: Betreuung und Besuche

Betreuungsbesuche durchführen

Der Betreuungsbesuch im Betrieb ist ein wichtiger Bestandteil der Praktikumsbetreuung. Er zeigt Ihren Schülerinnen und Schülern, dass Sie sich für ihre Erfahrungen interessieren, und gibt Ihnen die Möglichkeit, Probleme frühzeitig zu erkennen.

Tipps für gelungene Betreuungsbesuche:

  • Vereinbaren Sie Termine vorab mit dem Betrieb – kommen Sie nicht unangemeldet
  • Planen Sie ausreichend Zeit ein: mindestens 20-30 Minuten pro Besuch
  • Sprechen Sie sowohl mit dem Schüler als auch mit dem betrieblichen Betreuer
  • Führen Sie ein Kurzprotokoll über den Besuch (Datum, Gesprächsinhalt, Auffälligkeiten)
  • Fragen Sie gezielt nach: Wie fühlt sich der Schüler? Gibt es Probleme? Was lernt er?

Erreichbarkeit sicherstellen

Während des Praktikumszeitraums sollten Sie für Ihre Schülerinnen und Schüler sowie für die Betriebe gut erreichbar sein. Teilen Sie Ihre Kontaktdaten (Telefon und E-Mail) mit allen Beteiligten und reagieren Sie zeitnah auf Anfragen – besonders wenn es um Probleme oder Notfälle geht.

Umgang mit Problemen

Während des Praktikums können verschiedene Probleme auftreten, auf die Sie vorbereitet sein sollten:

  • Fehlzeiten: Klären Sie mit dem Schüler und den Eltern die Gründe. Einzelne Krankheitstage sind normal, häufiges unentschuldigtes Fehlen ist ein Warnsignal.
  • Überforderung oder Unterforderung: Sprechen Sie mit dem betrieblichen Betreuer über eine Anpassung der Aufgaben.
  • Konflikte im Betrieb: Vermitteln Sie zwischen Schüler und Betrieb. Hören Sie beide Seiten an, bevor Sie urteilen.
  • Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz: Nehmen Sie diese ernst und sprechen Sie den Betrieb direkt darauf an. Im Ernstfall muss das Praktikum abgebrochen werden.
  • Abbruch des Praktikums: Versuchen Sie, eine Lösung zu finden, bevor ein Abbruch nötig wird. Wenn der Abbruch unvermeidlich ist, organisieren Sie möglichst schnell einen Ersatzpraktikumsplatz.

Bewertung: Fair und transparent

Bewertungskriterien festlegen

Legen Sie die Bewertungskriterien vor dem Praktikum fest und kommunizieren Sie diese klar an die Schülerinnen und Schüler. Typische Bewertungselemente sind:

  • Praktikumsmappe oder -bericht (Vollständigkeit, Inhalt, Reflexionstiefe, Gestaltung)
  • Betriebliche Beurteilung (Feedback des Betriebs zur Leistung und zum Verhalten)
  • Präsentation (Vorstellung des Praktikums vor der Klasse)
  • Persönliche Reflexion (Erkenntnisse für die eigene Berufsorientierung)

Den Praktikumsbericht bewerten

Der Praktikumsbericht ist oft das zentrale Bewertungselement. Achten Sie auf:

  • Betriebsbeschreibung: Versteht der Schüler, was der Betrieb macht?
  • Tätigkeitsbeschreibung: Kann der Schüler seine Aufgaben anschaulich darstellen?
  • Reflexion: Setzt sich der Schüler kritisch mit seinen Erfahrungen auseinander?
  • Berufsorientierung: Hat das Praktikum zur Berufswahl beigetragen?
  • Formale Qualität: Rechtschreibung, Struktur, Gestaltung

Wichtig: Bewerten Sie nicht nur die sprachliche Qualität, sondern vor allem die inhaltliche Tiefe der Reflexion. Ein sprachlich einfacher, aber ehrlicher Bericht ist wertvoller als ein stilistisch perfekter Text ohne persönlichen Bezug.

Nachbereitung: Das Praktikum im Unterricht auswerten

Die Nachbereitung ist mindestens so wichtig wie die Vorbereitung. Nehmen Sie sich ausreichend Unterrichtszeit, um die Praktikumserfahrungen aufzuarbeiten:

Methoden zur Nachbereitung

  • Präsentationsrunde: Jeder Schüler stellt seinen Praktikumsbetrieb und seine Erfahrungen vor
  • Reflexionsrunde: Offene Diskussion über positive und negative Erfahrungen
  • Berufsorientierungsbilanz: Welche Erkenntnisse haben die Schüler für ihre Berufswahl gewonnen?
  • Feedback-Bogen: Anonyme Rückmeldung der Schüler zum Praktikum und zur Betreuung
  • Klassenübergreifender Austausch: Berichte für jüngere Schüler, die noch vor dem Praktikum stehen

Betriebe pflegen

Pflegen Sie die Kontakte zu guten Praktikumsbetrieben für zukünftige Jahrgänge. Eine Datenbank bewährter Praktikumsplätze erleichtert die Organisation in den Folgejahren. Bedanken Sie sich bei den Betrieben für die Betreuung und bitten Sie um Feedback zur Zusammenarbeit mit Ihrer Schule.

Tipps für die tägliche Praxis

  • Muster und Vorlagen bereithalten: Bewerbungsschreiben, Praktikumsvertrag, Berichtvorlage – standardisierte Dokumente sparen Zeit
  • Kollegiale Zusammenarbeit: Tauschen Sie sich mit anderen betreuenden Lehrkräften aus und teilen Sie bewährte Praktiken
  • Eltern einbinden: Informieren Sie die Eltern frühzeitig und machen Sie klar, welche Unterstützung von zu Hause erwartet wird
  • Digitale Tools nutzen: Eine gemeinsame Online-Plattform oder ein geteiltes Dokument kann die Organisation erleichtern
  • Selbstreflexion: Nehmen Sie sich nach jedem Praktikumsdurchgang Zeit, Ihren eigenen Ablauf zu optimieren

Fazit

Die Betreuung von Schülerpraktika ist eine anspruchsvolle, aber lohnende Aufgabe. Mit guter Vorbereitung, regelmäßiger Kommunikation und einer wertschätzenden Nachbereitung schaffen Sie die Grundlage dafür, dass Ihre Schülerinnen und Schüler das Praktikum als wertvolle Erfahrung für ihre Berufsorientierung nutzen können. Ihr Engagement als Lehrkraft macht dabei einen echten Unterschied.

Häufige Fragen

Wie viele Betreuungsbesuche sollte ich pro Schüler machen?
Idealerweise besuchen Sie jeden Schüler mindestens einmal während des Praktikums. Bei einem zweiwöchigen Praktikum reicht in der Regel ein Besuch in der ersten Woche. Bei längeren Praktika sind zwei Besuche empfehlenswert. Zusätzlich sollten Sie telefonisch oder per E-Mail erreichbar sein. Vereinbaren Sie die Termine vorab mit dem Betrieb, um den Arbeitsablauf nicht zu stören.
Was mache ich, wenn ein Betrieb gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz verstößt?
Nehmen Sie Verstöße ernst und handeln Sie sofort. Sprechen Sie zunächst den betrieblichen Betreuer direkt auf das Problem an – oft liegt ein Informationsdefizit vor, kein böser Wille. Dokumentieren Sie den Vorfall. Wenn sich die Situation nicht bessert, informieren Sie die Schulleitung und ziehen Sie den Schüler notfalls aus dem Betrieb ab. In schwerwiegenden Fällen kann das Gewerbeaufsichtsamt eingeschaltet werden.
Wie gehe ich mit Schülern um, die keinen Praktikumsplatz finden?
Unterstützen Sie diese Schüler aktiv bei der Suche, indem Sie Ihre Kontakte zu bewährten Betrieben nutzen. Fragen Sie bei Betrieben nach, die in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Praktikanten gemacht haben. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kann ebenfalls helfen. Als letzten Ausweg können Sie Praktikumsplätze in schulnahen Einrichtungen oder bei Kooperationspartnern der Schule vermitteln.
Sollte ich den Praktikumsbericht benoten?
Das hängt von den Vorgaben Ihres Bundeslandes und Ihrer Schule ab. In vielen Schulen fließt der Praktikumsbericht in die Note des Fachs Arbeit-Wirtschaft-Technik oder eines vergleichbaren Fachs ein. Wenn Sie benoten, sollten Sie die Kriterien vorher transparent kommunizieren und neben der formalen Qualität vor allem die inhaltliche Reflexion bewerten. Eine reine Tätigkeitsbeschreibung ohne persönliche Reflexion sollte nicht ausreichen.

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Stand: Februar 2026· Alle Angaben ohne Gewähr