Motivationsschreiben vs. Anschreiben
Oft werden Motivationsschreiben und Anschreiben verwechselt. Das klassische Anschreiben ist der Standard bei jeder Bewerbung. Ein Motivationsschreiben geht einen Schritt weiter: Es erklärt tiefergehend deine Motivation, deine Ziele und warum du die perfekte Wahl für das Praktikum bist.
Manche Betriebe verlangen explizit ein Motivationsschreiben – besonders bei begehrten Praktikumsplätzen, Auslandspraktika oder Praktika bei großen Unternehmen. In anderen Fällen ist ein gutes Anschreiben ausreichend.
Aufbau des Motivationsschreibens
Einleitung – Der Hook
Die ersten 2-3 Sätze entscheiden, ob weitergelesen wird. Vermeide Standard-Floskeln wie "Hiermit bewerbe ich mich um..." und steige stattdessen mit etwas Persönlichem ein:
- Persönliches Erlebnis: "Als ich letzten Sommer zum ersten Mal [Erlebnis], wusste ich: Das ist mein Ding."
- Bezug zum Unternehmen: "Ihr Projekt [konkretes Projekt] hat mich sofort begeistert, weil..."
- Zukunftsvision: "Mein Ziel ist es, [Berufswunsch] zu werden, und ein Praktikum bei Ihnen ist der perfekte nächste Schritt."
Hauptteil – Deine Motivation
Im Hauptteil beantwortest du drei zentrale Fragen:
1. Warum dieser Beruf/dieses Fachgebiet?
- Was fasziniert dich an dem Bereich?
- Welche Erfahrungen haben dein Interesse geweckt?
- Wie passt es zu deinen Stärken?
2. Warum dieses Unternehmen?
- Was weißt du über die Firma? (Recherche zeigen!)
- Was unterscheidet sie von anderen Betrieben?
- Was willst du dort lernen?
3. Was bringst du mit?
- Relevante Fähigkeiten und Stärken
- Schulische Leistungen, die zum Praktikum passen
- Hobbys oder Erfahrungen, die relevant sind
- Persönliche Eigenschaften (Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Neugier)
Schluss – Call to Action
Beende das Motivationsschreiben selbstbewusst, aber nicht überheblich:
- "Ich freue mich darauf, meine Motivation und Begeisterung persönlich unter Beweis zu stellen."
- "Über die Einladung zu einem Gespräch würde ich mich sehr freuen."
Formulierungshilfen
Gute Formulierungen
- "Besonders begeistert mich an [Beruf], dass..."
- "Durch mein Interesse an [Fach/Hobby] habe ich bereits erste Erfahrungen in..."
- "Ihr Unternehmen hat mich angesprochen, weil..."
- "In meiner Freizeit beschäftige ich mich intensiv mit..."
- "Meine Stärken [Eigenschaft] und [Eigenschaft] möchte ich gerne in Ihrem Team einbringen."
Schlechte Formulierungen (vermeiden!)
- "Hiermit bewerbe ich mich..." (langweilig, zu formal)
- "Ich bin der/die Beste für..." (überheblich)
- "Ich habe keine Erfahrung, aber..." (negativ)
- "Meine Mutter meint, ich sollte..." (nicht eigenständig)
- "Ich brauche ein Praktikum für die Schule..." (klingt nach Pflicht, nicht Motivation)
Tipps für ein starkes Motivationsschreiben
- Individuell: Jedes Motivationsschreiben muss auf den Betrieb zugeschnitten sein
- Ehrlich: Schreibe nur, was stimmt. Lügen fliegen im Gespräch auf
- Konkret: Statt "Ich bin teamfähig" besser: "Im Schulprojekt XY habe ich die Gruppenarbeit koordiniert"
- Kompakt: Maximal 1 Seite. Lieber kurz und knackig als lang und langweilig
- Fehlerfrei: Rechtschreibfehler sind ein No-Go. Lass jemanden Korrektur lesen
Wann reicht ein normales Anschreiben?
Für die meisten Schülerpraktika und Kurzpraktika reicht ein gutes Anschreiben aus. Ein separates Motivationsschreiben lohnt sich bei:
- Begehrten Praktikumsplätzen bei großen Unternehmen
- Auslandspraktika (z.B. Erasmus+)
- Praktika an Universitäten oder Forschungseinrichtungen
- Wenn der Betrieb es ausdrücklich verlangt
Fazit
Ein gutes Motivationsschreiben hebt dich von anderen Bewerbern ab. Der Schlüssel: Persönlich, konkret und ehrlich schreiben. Zeig dem Betrieb, warum du wirklich motiviert bist – nicht nur, weil du ein Praktikum brauchst, sondern weil dich der Beruf und das Unternehmen begeistern.