Das Anschreiben: Deine Eintrittskarte zum Praktikum
Das Anschreiben ist der wichtigste Teil deiner Praktikumsbewerbung. Es ist deine Chance, den Betrieb davon zu überzeugen, dass du der richtige Praktikant oder die richtige Praktikantin bist. Während der Lebenslauf Fakten liefert, zeigt das Anschreiben deine Persönlichkeit, deine Motivation und dein Interesse am Unternehmen. Ein gutes Anschreiben kann Schwächen im Lebenslauf ausgleichen – ein schlechtes kann die beste Bewerbung zunichtemachen.
Viele Schülerinnen und Schüler empfinden das Anschreiben als den schwierigsten Teil der Bewerbung. Das ist verständlich, denn du musst dich selbst „verkaufen“, ohne überheblich zu wirken. Dieser Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wie du ein überzeugendes Anschreiben verfasst – mit konkreten Formulierungen und Beispielen für verschiedene Berufsfelder.
Der Aufbau eines Anschreibens
Ein professionelles Anschreiben folgt immer dem gleichen Aufbau. Halte dich an diese Struktur, damit der Empfänger sofort findet, was er sucht:
1. Kopfzeile (Absender und Empfänger)
Oben links stehen deine vollständigen Kontaktdaten:
- Vor- und Nachname
- Straße und Hausnummer
- PLZ und Ort
- Telefonnummer
- E-Mail-Adresse
Darunter folgen die Daten des Empfängers:
- Name des Unternehmens
- Name des Ansprechpartners (mit korrekter Anrede)
- Straße und Hausnummer
- PLZ und Ort
2. Datum und Betreffzeile
Rechtsbündig das aktuelle Datum, darunter die Betreffzeile in Fettdruck. Die Betreffzeile nennt den Anlass klar und deutlich, zum Beispiel: Bewerbung um ein Schülerpraktikum im Bereich [Beruf] vom [Datum] bis [Datum].
3. Anrede
Immer persönlich mit dem Namen des Ansprechpartners: „Sehr geehrte Frau [Name],“ oder „Sehr geehrter Herr [Name],“.
4. Einleitung (Warum bewirbst du dich?)
Die Einleitung muss Interesse wecken. Vermeide langweilige Standardfloskeln wie „Hiermit bewerbe ich mich...“. Steige stattdessen mit etwas Persönlichem ein:
- Gut: „Seit ich in der 7. Klasse zum ersten Mal einen Roboter programmiert habe, fasziniert mich die Welt der Technik. Deshalb möchte ich mein Schülerpraktikum gerne in Ihrem Unternehmen absolvieren.“
- Schlecht: „Hiermit bewerbe ich mich um ein Praktikum bei Ihnen. Ich bin Schüler der 9. Klasse.“
5. Hauptteil (Warum bist du geeignet?)
Im Hauptteil zeigst du, was du mitbringst und warum gerade du zum Unternehmen passt. Nenne konkrete Stärken, Interessen und Erfahrungen, die zum Praktikum passen:
- Welche Schulfächer begeistern dich und passen zum Berufsfeld?
- Hast du Hobbys oder Erfahrungen, die relevant sind?
- Welche Stärken zeichnen dich aus (Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Kreativität)?
- Warum gerade dieses Unternehmen?
6. Schlussteil
Im Schlussteil drückst du deine Vorfreude auf ein persönliches Gespräch aus und bedankst dich für die Aufmerksamkeit:
„Über die Möglichkeit, mich in einem persönlichen Gespräch vorzustellen und mehr über das Praktikum zu erfahren, würde ich mich sehr freuen.“
7. Grußformel und Unterschrift
„Mit freundlichen Grüßen“ – gefolgt von deinem Namen. Bei einer gedruckten Bewerbung: Unterschrift zwischen Grußformel und getipptem Namen.
Formulierungshilfen für verschiedene Branchen
Handwerk und Technik
„Schon als Kind habe ich meinem Vater gerne in der Werkstatt geholfen. Das Arbeiten mit den Händen, das Tüfteln an Problemen und das Sehen eines fertigen Ergebnisses begeistern mich. In meiner Freizeit repariere ich Fahrräder und habe bereits kleinere Möbelstücke selbst gebaut. Deshalb möchte ich im Rahmen meines Schülerpraktikums herausfinden, ob eine Ausbildung im Handwerk der richtige Weg für mich ist.“
Medizin und Gesundheit
„Anderen Menschen zu helfen ist mir wichtig. Als Schulsanitäter habe ich bereits gelernt, in Notfallsituationen ruhig zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen. Ein Praktikum in Ihrer Praxis würde mir ermöglichen, den Berufsalltag im Gesundheitswesen kennenzulernen und meine Berufswahl zu festigen.“
Büro und Verwaltung
„Durch meine Tätigkeit als Klassensprecher habe ich gelernt, organisiert zu arbeiten, Termine zu koordinieren und Verantwortung zu tragen. Ich arbeite gerne am Computer und habe gute Kenntnisse in Word und Excel. Ein Praktikum in Ihrem Büro würde mir wertvolle Einblicke in kaufmännische Abläufe geben.“
Kreative Berufe
„Kreativität und Gestaltung sind meine Leidenschaft. In meiner Freizeit fotografiere ich, gestalte Social-Media-Beiträge und habe bereits einen eigenen Blog aufgebaut. Besonders beeindruckt hat mich Ihre letzte Kampagne für [Kunde/Projekt], weshalb ich mein Praktikum gerne in Ihrer Agentur absolvieren möchte.“
Musteranschreiben: Vollständiges Beispiel
Hier ein vollständiges Beispiel für ein Praktikumsanschreiben im Bereich Einzelhandel:
Max Mustermann
Musterstraße 12
20095 Hamburg
Tel.: 0151 12345678
E-Mail: max.mustermann@gmail.com
Modehouse Schmidt GmbH
z. Hd. Frau Katrin Weber
Hauptstraße 45
20099 Hamburg
Hamburg, den 10. Januar 2026
Bewerbung um ein Schülerpraktikum im Einzelhandel vom 10. bis 21. März 2026
Sehr geehrte Frau Weber,
Mode und Trends begeistern mich schon lange. Als ich auf Ihrer Website gelesen habe, dass Sie Schülerpraktikanten die Möglichkeit bieten, alle Bereiche vom Verkauf über die Warenpräsentation bis zur Bestellung kennenzulernen, wusste ich sofort: Das ist genau das Richtige für mich.
Ich bin Schüler der 9. Klasse an der Stadtteilschule Altona und suche im Rahmen meines Betriebspraktikums einen Platz, an dem ich erste berufliche Erfahrungen sammeln kann. Zu meinen Stärken zähle ich Teamfähigkeit, Freundlichkeit und ein gepflegtes Auftreten. Durch meinen Nebenjob als Zeitungsausträger habe ich gelernt, zuverlässig und pünktlich zu sein.
Über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Max Mustermann
Wichtige Tipps für dein Anschreiben
- Maximal eine Seite: Dein Anschreiben sollte nie länger als eine DIN-A4-Seite sein
- Individuelle Anpassung: Passe jedes Anschreiben an das jeweilige Unternehmen an. Kopierte Standardtexte fallen sofort auf
- Rechtschreibung prüfen: Lass mindestens eine weitere Person Korrektur lesen
- Aktive Formulierungen: Schreibe aktiv und selbstbewusst, nicht unterwürfig. Statt „Ich würde vielleicht...“ besser „Ich möchte...“ oder „Ich bringe mit...“
- Keine Lügen: Übertreibe nicht und erfinde keine Fähigkeiten. Spätestens im Praktikum fällt das auf