Schülerpraktikum Gehalt: Die kurze Antwort
In den allermeisten Fällen gibt es im Schülerpraktikum kein Gehalt. Pflichtpraktika in der Schule sind unbezahlt, weil sie als Teil der Schulpflicht gelten. Manche Betriebe zahlen freiwillig eine kleine Aufwandsentschädigung von 50 bis 200 EUR, gesetzlich vorgeschrieben ist das aber nicht.
Warum Schülerpraktika unbezahlt sind
Ein Schülerpraktikum ist kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts, sondern Teil der schulischen Ausbildung. Die Schule organisiert den Einsatz, du bist während des Praktikums weiter über die Schule unfallversichert (gesetzliche Schülerunfallversicherung). Deshalb gilt:
- Kein Anspruch auf Mindestlohn
- Kein Arbeitsvertrag — meist nur eine Praktikumsvereinbarung zwischen Schule, Betrieb und Eltern
- Keine Sozialversicherungspflicht
- Keine Lohnsteuer
Rechtsgrundlage: § 22 Abs. 1 Mindestlohngesetz (MiLoG) — Schülerpraktika im Rahmen der Schul- oder Hochschulausbildung sind ausdrücklich vom Mindestlohn ausgenommen.
Aufwandsentschädigung: Wer freiwillig zahlt
Manche Betriebe zahlen aus Kulanz eine Aufwandsentschädigung — typische Beträge:
| Branche | Typische Aufwandsentschädigung pro Woche |
|---|---|
| Industrie/Großkonzerne | 50-150 EUR |
| Handwerk | 0-50 EUR |
| Einzelhandel/Gastronomie | 0-50 EUR |
| Banken/Versicherungen | 50-100 EUR |
| Kleine Betriebe | 0-30 EUR (oft nur Fahrtkostenzuschuss) |
| Öffentlicher Dienst | 0 EUR |
Diese Zahlungen sind freiwillig — du hast keinen rechtlichen Anspruch darauf. Frage nach dem ersten Praktikumstag, ob es eine Aufwandsentschädigung gibt. Sie wird steuer- und sozialabgabenfrei ausgezahlt, weil sie als Aufwandserstattung und nicht als Arbeitsentgelt gilt.
BOGY, BORS und andere Pflichtpraktika in den Bundesländern
Baden-Württemberg: BOGY (Gymnasium) und BORS (Realschule)
BOGY (Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium) und BORS (Berufsorientierung an Realschulen) sind verpflichtend. Dauer 1 Woche. Kein Gehalt vorgesehen, einige Betriebe zahlen freiwillig 25-50 EUR pro Woche.
Bayern: P-Seminar Praktikum
Im Rahmen des P-Seminars in der Oberstufe. Meist 1-2 Wochen. Keine Vergütungspflicht.
Berlin/NRW: Schulisches Praktikum
2-3 Wochen Pflichtpraktikum in Klasse 9 oder 10. Keine gesetzliche Vergütung.
Übersicht: Pflichtpraktika nach Bundesland
| Bundesland | Klasse | Dauer |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 9 (BORS), 10 (BOGY) | 1 Woche |
| Bayern | 9 oder 10 | 1 Woche |
| Berlin | 9 | 3 Wochen |
| NRW | 9 | 2-3 Wochen |
| Hessen | 9 oder 10 | 2-3 Wochen |
| Niedersachsen | 9 | 2 Wochen |
| Sachsen | 9 | 2 Wochen |
Freiwilliges Schülerpraktikum in den Ferien
Auch bei freiwilligen Praktika außerhalb der Schule gilt: Mindestlohn-Befreiung, solange das Praktikum als Teil einer schulischen Maßnahme oder zur Berufsorientierung dient und nicht länger als 3 Monate dauert.
In der Praxis zahlen Unternehmen für freiwillige Schülerpraktika in den Ferien etwas mehr als bei Pflichtpraktika — typisch sind 200-500 EUR pro Monat bei Vollzeit-Praktika.
Wichtig: Arbeitszeit-Regeln für Schüler
Bist du jünger als 18, gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG):
- Unter 15 Jahre: Praktikum nur im Rahmen der Schule, max. 7 Std/Tag
- 15-17 Jahre: max. 8 Std/Tag, max. 40 Std/Woche
- Keine Nachtarbeit (nach 20 Uhr)
- Keine Wochenendarbeit (außer in Ausnahmebranchen wie Gastronomie)
- Mindestens 12 Stunden Pause zwischen zwei Arbeitstagen
Tipps für mehr Geld im Schülerpraktikum
- Größere Firmen wählen: Konzerne wie Siemens, BMW, BASF, Deutsche Bahn zahlen oft Aufwandsentschädigungen von 100+ EUR pro Woche.
- Banken und Versicherungen: Häufig kleine Wochenpauschalen, manchmal Mittagsessen-Gutscheine.
- Nach Fahrtkosten fragen: Viele Betriebe erstatten Fahrkarten, auch wenn sie kein Gehalt zahlen.
- Freiwilliges Ferienpraktikum statt Schul-Pflichtpraktikum: Mehr Verhandlungsspielraum, manchmal echtes Gehalt.
- Ausbildungsmessen besuchen: Direkt mit Unternehmen sprechen und nach Aufwandsentschädigungen fragen.
Was Eltern und Schüler beachten sollten
Da Schülerpraktika unbezahlt sind, fallen für Familien zusätzliche Kosten an: Fahrkarten, Verpflegung, evtl. Arbeitskleidung. Im Schnitt rechnen Familien mit 50-100 EUR Mehrausgaben pro Praktikumswoche. Manche Schulen oder Sozialträger bieten Zuschüsse — frag bei der Schule oder dem Jugendamt nach.