Was ist eine Initiativbewerbung?
Eine Initiativbewerbung (auch Blindbewerbung oder Spontanbewerbung genannt) ist eine Bewerbung, die du verschickst, ohne dass eine Stelle oder ein Praktikumsplatz ausgeschrieben ist. Du ergreifst also selbst die Initiative und fragst proaktiv bei einem Unternehmen an, ob es die Möglichkeit gibt, dort ein Praktikum zu absolvieren.
Das klingt vielleicht ungewöhnlich, ist aber eine der erfolgreichsten Methoden, um einen Praktikumsplatz zu finden. Viele Betriebe – besonders kleine und mittlere Unternehmen – schreiben ihre Praktikumsplätze gar nicht aus. Sie freuen sich über motivierte Schülerinnen und Schüler, die von sich aus auf sie zukommen. Mit einer Initiativbewerbung erschließt du dir also einen riesigen Pool an Möglichkeiten, die anderen Bewerbern verborgen bleiben.
Wann ist eine Initiativbewerbung sinnvoll?
Eine Initiativbewerbung lohnt sich besonders in folgenden Situationen:
- Dein Wunschunternehmen hat keine Praktikumsstellen ausgeschrieben – das bedeutet nicht, dass sie keine Praktikanten nehmen. Vielleicht haben sie einfach nicht daran gedacht, eine Anzeige zu schalten
- Du suchst ein Praktikum in einem speziellen Berufsfeld, in dem Angebote rar sind (z.B. Tierpflege, Archäologie, Tonstudio)
- Du möchtest in deiner Nähe arbeiten und findest online keine passenden Angebote in deinem Ort
- Du hast bereits alle ausgeschriebenen Stellen durch und brauchst zusätzliche Optionen
- Du möchtest dich positiv abheben – eine Initiativbewerbung zeigt besonderes Engagement
Welche Betriebe eignen sich für eine Initiativbewerbung?
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Betriebe mit 5 bis 50 Mitarbeitern sind ideal für Initiativbewerbungen. Hier sind die Entscheidungswege kurz – oft entscheidet der Chef persönlich, ob ein Praktikant genommen wird. Außerdem bekommst du in kleinen Betrieben oft mehr Einblicke und darfst selbst mit anpacken, statt nur zuzuschauen.
Lokale Betriebe und Geschäfte
Bäckereien, Friseursalons, Autowerkstätten, Arztpraxen, Apotheken, Blumenläden, Restaurants – in deiner Umgebung gibt es unzählige Betriebe, die grundsätzlich Praktikanten nehmen können. Schau dich in deiner Nachbarschaft um und überleg, welche Berufe dich interessieren könnten.
Start-ups und junge Unternehmen
Start-ups sind oft offen für Praktikanten, haben aber selten Zeit, Stellenanzeigen zu schalten. Hier kannst du mit einer Initiativbewerbung punkten und gleichzeitig eine besonders dynamische Arbeitsumgebung erleben.
Vereine und gemeinnützige Organisationen
Auch Sportvereine, Kultureinrichtungen, Tierheime oder soziale Einrichtungen bieten Praktikumsplätze an – schreiben sie aber selten aus. Hier ist die Initiativbewerbung oft der einzige Weg.
So gehst du vor: Schritt für Schritt
Schritt 1: Unternehmen recherchieren
Bevor du eine Initiativbewerbung schreibst, recherchiere das Unternehmen gründlich. Informiere dich über:
- Was macht das Unternehmen? Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet es an?
- Wie groß ist es? Gibt es eine eigene Personalabteilung?
- Wer ist der richtige Ansprechpartner?
- Hat das Unternehmen in der Vergangenheit Praktikanten beschäftigt?
Schritt 2: Telefonisch Kontakt aufnehmen
Bevor du eine schriftliche Bewerbung schickst, empfiehlt sich ein kurzer Anruf. So findest du heraus, ob das Unternehmen grundsätzlich Praktikanten nimmt, und du erfährst den Namen des Ansprechpartners. Sage zum Beispiel:
„Guten Tag, mein Name ist [Name]. Ich bin Schüler der [Klasse] an der [Schule] und suche für [Zeitraum] einen Praktikumsplatz. Ich interessiere mich sehr für Ihr Unternehmen und wollte fragen, ob es grundsätzlich möglich wäre, bei Ihnen ein Praktikum zu absolvieren?“
Schritt 3: Die Bewerbung formulieren
Wenn das Unternehmen signalisiert, dass ein Praktikum möglich ist, schickst du deine schriftliche Bewerbung. Bei einer Initiativbewerbung ist das Anschreiben besonders wichtig, denn du musst nicht nur deine Motivation, sondern auch erklären, warum gerade dieses Unternehmen:
- Zeige, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast
- Erkläre konkret, was dich an dem Berufsfeld fasziniert
- Nenne den gewünschten Praktikumszeitraum
- Beschreibe, was du dir von dem Praktikum erhoffst
- Erwähne das vorherige Telefonat, falls eines stattgefunden hat
Schritt 4: Nachfassen
Da bei einer Initiativbewerbung kein fester Bewerbungsprozess existiert, kann es etwas länger dauern, bis du eine Rückmeldung bekommst. Hake nach 7–10 Tagen freundlich nach, falls du nichts gehört hast.
Das Anschreiben: Besonderheiten bei Initiativbewerbungen
Das Anschreiben einer Initiativbewerbung unterscheidet sich in einigen Punkten von einer regulären Bewerbung:
Betreffzeile anpassen
Da es keine ausgeschriebene Stelle gibt, formuliere den Betreff anders als üblich:
- Initiativbewerbung um ein Schülerpraktikum im Bereich [Berufsfeld]
- Anfrage: Schülerpraktikum im Zeitraum [Datum] bis [Datum]
Motivation stärker betonen
Da das Unternehmen nicht aktiv sucht, musst du besonders überzeugend erklären, warum du ausgerechnet dort arbeiten möchtest. Recherchiere dafür besondere Projekte, Auszeichnungen oder Besonderheiten des Unternehmens, auf die du dich beziehen kannst.
Flexibilität signalisieren
Zeige, dass du flexibel bist: „Gerne bin ich auch bereit, den Zeitraum oder die Dauer des Praktikums an Ihre Möglichkeiten anzupassen.“ Das senkt die Hemmschwelle für den Betrieb.
Vorteile einer Initiativbewerbung
- Weniger Konkurrenz: Da keine Stelle ausgeschrieben ist, bewirbst du dich nicht gegen dutzende andere Kandidaten
- Positiverer Eindruck: Eigeninitiative und Engagement werden von Arbeitgebern hoch geschätzt
- Größere Auswahl: Du bist nicht auf ausgeschriebene Stellen beschränkt und kannst bei jedem Betrieb anfragen
- Persönlicher Kontakt: Durch den vorherigen Anruf baust du bereits eine Beziehung zum Ansprechpartner auf
Häufige Fehler bei Initiativbewerbungen
- Standardanschreiben verwenden: Eine Initiativbewerbung muss noch individueller sein als eine reguläre Bewerbung. Standardfloskeln fallen sofort auf
- Zu viele Bewerbungen auf einmal: Qualität geht vor Quantität. Lieber 5 hervorragende Initiativbewerbungen als 20 austauschbare
- Keinen Ansprechpartner nennen: Recherchiere immer den Namen der zuständigen Person
- Nicht nachfassen: Bei Initiativbewerbungen ist ein freundliches Nachfassen besonders wichtig, da die Bearbeitung oft keine Priorität hat