Warum eine telefonische Bewerbung sinnvoll ist
Viele Schülerinnen und Schüler scheuen sich davor, zum Hörer zu greifen und direkt bei einem Betrieb anzurufen. Dabei ist die telefonische Kontaktaufnahme eine der effektivsten Methoden, um einen Praktikumsplatz zu bekommen. Du hebst dich sofort von der Masse ab, denn die meisten Bewerber schicken nur eine E-Mail oder eine Online-Bewerbung. Ein persönliches Telefonat zeigt Eigeninitiative, Mut und echtes Interesse – Eigenschaften, die bei Arbeitgebern sehr gut ankommen.
Gerade bei kleineren Betrieben, Handwerksbetrieben oder lokalen Unternehmen ist ein Anruf oft sogar der bevorzugte Weg. Viele Firmen haben gar keine Online-Bewerbungsportale und freuen sich über den direkten Kontakt. Außerdem kannst du im Gespräch sofort klären, ob überhaupt Praktikumsplätze verfügbar sind – das spart dir Zeit und Mühe für eine aufwändige schriftliche Bewerbung, die am Ende vielleicht ins Leere läuft.
Die richtige Vorbereitung
Informationen sammeln
Bevor du zum Hörer greifst, solltest du dich gründlich vorbereiten. Recherchiere den Betrieb: Was macht das Unternehmen? Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet es an? In welcher Branche ist es tätig? Je mehr du weißt, desto überzeugender wirkst du am Telefon. Schau dir die Website des Unternehmens an und notiere dir wichtige Informationen.
Finde außerdem heraus, wer dein Ansprechpartner ist. Oft steht auf der Website unter „Karriere“ oder „Über uns“ ein Name. Wenn du eine konkrete Person ansprechen kannst, wirkt das deutlich professioneller als ein allgemeines „Ich wollte mal fragen, ob...“.
Gesprächsleitfaden erstellen
Schreibe dir einen kurzen Leitfaden auf, an dem du dich während des Gesprächs orientieren kannst. Das gibt dir Sicherheit und verhindert, dass du wichtige Punkte vergisst. Dein Leitfaden sollte folgende Punkte enthalten:
- Begrüßung und Vorstellung: Dein Name, deine Schule und Klassenstufe
- Grund des Anrufs: Du suchst einen Praktikumsplatz im Zeitraum XY
- Warum dieser Betrieb: Was dich an dem Unternehmen interessiert
- Deine Stärken: Ein bis zwei Sätze, warum du gut ins Team passen würdest
- Abschlussfrage: Ob du deine Bewerbungsunterlagen schicken darfst
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Rufe nicht in der Mittagspause oder kurz vor Feierabend an. Die besten Zeiten für einen Anruf sind Dienstag bis Donnerstag zwischen 9:30 und 11:30 Uhr oder zwischen 14:00 und 16:00 Uhr. Montags sind viele Unternehmen mit der Wochenplanung beschäftigt, und freitags ist die Aufmerksamkeit oft schon beim Wochenende.
Der Gesprächsablauf: Schritt für Schritt
Schritt 1: Begrüßung
Wenn sich jemand meldet, stelle dich klar und deutlich vor: „Guten Tag, mein Name ist [Vorname Nachname]. Ich bin Schüler/Schülerin der [Klassenstufe] an der [Schulname] und rufe an, weil ich mich für ein Praktikum in Ihrem Betrieb interessiere. Könnte ich bitte mit der zuständigen Person für Praktika sprechen?“
Schritt 2: Dein Anliegen schildern
Wenn du die richtige Person am Telefon hast, erkläre kurz und präzise, warum du anrufst: „Ich suche für den Zeitraum [Datum] ein Schülerpraktikum im Bereich [Berufsfeld]. Ihr Unternehmen interessiert mich besonders, weil [Grund]. Wäre es möglich, bei Ihnen ein Praktikum zu absolvieren?“
Schritt 3: Zuhören und nachfragen
Lass deinen Gesprächspartner ausreden und höre aufmerksam zu. Stelle gezielte Nachfragen: Welche Unterlagen werden benötigt? Bis wann sollte die Bewerbung eingehen? Gibt es bestimmte Anforderungen? Notiere dir die Antworten direkt – das zeigt Professionalität.
Schritt 4: Verabschiedung
Bedanke dich freundlich für die Zeit und fasse kurz zusammen, was als nächstes passiert: „Vielen Dank für die Informationen, Frau/Herr [Name]. Ich werde Ihnen meine Bewerbungsunterlagen bis [Datum] per E-Mail zusenden. Auf Wiederhören!“
Die wichtigsten Do’s und Don’ts
Do’s – Das solltest du tun
- Lächle beim Telefonieren – man hört ein Lächeln in der Stimme, und du wirkst automatisch freundlicher und sympathischer
- Sprich langsam und deutlich – Nervosität führt oft dazu, dass man zu schnell redet. Atme bewusst und nimm dir Zeit
- Halte Stift und Papier bereit – um Namen, Daten und wichtige Informationen direkt zu notieren
- Steh auf oder setze dich aufrecht hin – deine Körperhaltung beeinflusst deine Stimme positiv
- Übe vorher mit Freunden oder Familie – ein Probelauf nimmt die Nervosität und hilft dir, flüssiger zu sprechen
Don’ts – Das solltest du vermeiden
- Nicht essen, trinken oder Kaugummi kauen während des Gesprächs
- Keine Hintergrundgeräusche – telefoniere an einem ruhigen Ort, nicht im Bus oder auf der Straße
- Nicht zu locker sprechen – vermeide Slang und Umgangssprache. „Yo, ich bräuchte mal’n Praktikum“ ist keine gute Eröffnung
- Nicht aufgeben bei Hindernissen – wenn der Ansprechpartner nicht erreichbar ist, frage nach einem guten Rückrufzeitpunkt
- Nicht unvorbereitet anrufen – ein planloses Gestammel hinterlässt keinen guten Eindruck
Was tun bei einer Absage am Telefon?
Es kann passieren, dass dir direkt am Telefon gesagt wird, dass derzeit keine Praktikumsplätze verfügbar sind. Das ist kein Weltuntergang! Reagiere professionell und freundlich:
„Das ist schade, aber ich verstehe das natürlich. Darf ich fragen, ob es zu einem anderen Zeitpunkt möglich wäre? Und darf ich Ihnen trotzdem meine Bewerbung zusenden, falls doch noch etwas frei wird?“
So hältst du dir die Tür offen und zeigst gleichzeitig Hartnäckigkeit – eine Eigenschaft, die Arbeitgeber schätzen. Viele Unternehmen merken sich engagierte Bewerber und melden sich später von selbst.
Nach dem Telefonat: Die nächsten Schritte
Direkt nach dem Gespräch solltest du deine Notizen ordnen und die besprochenen nächsten Schritte umsetzen. Wurde um eine schriftliche Bewerbung gebeten, schicke diese innerhalb von 24 Stunden – das zeigt, dass du es ernst meinst. Erwähne in deinem Anschreiben das Telefonat: „wie heute telefonisch mit Frau/Herrn [Name] besprochen, sende ich Ihnen gerne meine Bewerbungsunterlagen zu.“
Wenn du nach einer Woche keine Rückmeldung erhalten hast, ist ein freundlicher Nachfass-Anruf völlig in Ordnung. Frage höflich nach dem Stand deiner Bewerbung – das zeigt echtes Interesse und Engagement.
Beispiel-Gesprächsskript zum Üben
Hier ist ein komplettes Beispielgespräch, das du als Vorlage nutzen und anpassen kannst:
Du: „Guten Tag, mein Name ist Max Mustermann. Ich bin Schüler der 9. Klasse am Schiller-Gymnasium in Hamburg und interessiere mich sehr für ein Praktikum in Ihrem Unternehmen. Könnten Sie mich bitte mit der zuständigen Person verbinden?“
[Weiterleitung]
Du: „Guten Tag, Frau Meier. Mein Name ist Max Mustermann, ich bin Schüler der 9. Klasse und suche für den Zeitraum vom 15. bis 26. März ein Schülerpraktikum. Ich interessiere mich besonders für Ihr Unternehmen, weil ich den Beruf des Mediengestalters spannend finde und gerne erste Einblicke in die Praxis bekommen möchte. Wäre es möglich, bei Ihnen ein Praktikum zu machen?“
Dieses Skript kannst du natürlich an deine persönliche Situation anpassen. Wichtig ist, dass es sich natürlich anhört und nicht abgelesen wirkt.