Der Praktikumsvertrag: Dein Schutz im Praktikum
Ein Praktikumsvertrag mag wie eine Formalität klingen, ist aber ein wichtiges Dokument, das deine Rechte und Pflichten während des Praktikums regelt. Obwohl für Schülerpraktika nicht immer ein ausführlicher Vertrag üblich ist, solltest du – vor allem bei längeren oder freiwilligen Praktika – auf einen schriftlichen Vertrag bestehen. In diesem Ratgeber erklären wir dir, was in einem guten Praktikumsvertrag stehen sollte und worauf du besonders achten musst.
Warum ist ein Praktikumsvertrag wichtig?
Ein Praktikumsvertrag schafft Klarheit für beide Seiten: Du weißt, was dich erwartet, und der Betrieb weiß, was er dir bieten muss. Ohne Vertrag stehst du im Konfliktfall oft ohne Beweismittel da. Konkret schützt dich ein Vertrag in folgenden Situationen:
- Streitigkeiten über Arbeitszeiten oder Tätigkeiten
- Fragen zur Vergütung oder Aufwandsentschädigung
- Versicherungsschutz bei Unfällen
- Vorzeitige Beendigung des Praktikums
- Ausstellung eines Praktikumszeugnisses
Auch bei Schulpraktika gibt es meist eine schriftliche Vereinbarung, die von Schule, Betrieb und Eltern unterschrieben wird. Diese ist zwar kein vollständiger Vertrag im juristischen Sinne, regelt aber die grundlegenden Rahmenbedingungen.
Was muss im Praktikumsvertrag stehen?
Ein guter Praktikumsvertrag enthält folgende Pflichtangaben:
1. Persönliche Daten
Name, Adresse und Geburtsdatum des Praktikanten sowie Name und Adresse des Betriebs. Bei Minderjährigen sollte auch der Name der Erziehungsberechtigten aufgeführt sein, da diese den Vertrag mit unterschreiben müssen.
2. Beginn und Dauer
Der Vertrag muss klar festlegen, wann das Praktikum beginnt und endet. Bei Schulpraktika ist die Dauer meist durch die Schule vorgegeben. Bei freiwilligen Praktika solltest du darauf achten, dass die Dauer konkret benannt wird – das ist auch für die Frage des Mindestlohnanspruchs relevant.
3. Arbeitszeiten
Die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit sollte im Vertrag stehen. Für Minderjährige gelten die Grenzen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (maximal 8 Stunden pro Tag, 40 Stunden pro Woche). Der Vertrag darf keine Arbeitszeiten vorsehen, die diese Grenzen überschreiten.
4. Tätigkeitsbeschreibung und Lernziele
Ein zentraler Punkt, der einen Praktikumsvertrag von einem Arbeitsvertrag unterscheidet: Die Ausbildungsinhalte und Lernziele des Praktikums sollten beschrieben sein. Was wirst du lernen? In welchen Abteilungen wirst du eingesetzt? Wer betreut dich?
5. Vergütung
Ob und in welcher Höhe eine Vergütung gezahlt wird, muss im Vertrag festgehalten werden. Auch wenn kein Geld fließt, sollte das ausdrücklich vermerkt sein. Eventuell werden stattdessen Sachleistungen wie Fahrkarten oder Mittagessen vereinbart.
6. Urlaubsanspruch
Bei längeren Praktika (mehr als einem Monat) kann ein Urlaubsanspruch bestehen. Dieser richtet sich nach dem Bundesurlaubsgesetz oder dem Jugendarbeitsschutzgesetz und sollte im Vertrag geregelt sein.
7. Kündigungsregelung
Wie kann das Praktikum vorzeitig beendet werden? Gibt es eine Kündigungsfrist? Bei Schulpraktika ist eine Kündigung normalerweise nicht vorgesehen, da die Schule das Praktikum koordiniert. Bei freiwilligen Praktika sollte eine angemessene Kündigungsfrist vereinbart werden.
8. Schweigepflicht
Viele Betriebe nehmen eine Verschwiegenheitsklausel in den Vertrag auf. Das ist legitim und bedeutet, dass du über Betriebsgeheimnisse, Kundendaten und interne Abläufe Stillschweigen bewahren musst – auch nach Ende des Praktikums.
9. Zeugnis
Der Vertrag sollte festlegen, dass du am Ende des Praktikums ein qualifiziertes Praktikumszeugnis erhältst. Dieses Zeugnis ist für deine weitere Bewerbung wichtig und sollte nicht nur Dauer und Tätigkeiten, sondern auch eine Beurteilung deiner Leistung enthalten.
Worauf du besonders achten solltest
Neben den Standardinhalten gibt es einige Fallstricke, die du kennen solltest:
Probezeit
Manche Betriebe vereinbaren eine Probezeit im Praktikumsvertrag. Das ist bei längeren Praktika durchaus üblich. Achte darauf, dass die Probezeit angemessen ist – mehr als zwei Wochen bei einem dreimonatigen Praktikum sind nicht üblich.
Überstundenregelung
Für Minderjährige sind Überstunden gesetzlich verboten. Sollte der Vertrag eine Überstundenklausel enthalten, die dich als Minderjährigen betrifft, ist diese nichtig. Bei volljährigen Praktikanten sollte klar geregelt sein, ob und wie Überstunden ausgeglichen werden.
Wettbewerbsverbot
Einige Betriebe versuchen, ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot in den Praktikumsvertrag aufzunehmen. Das bedeutet, dass du nach dem Praktikum nicht bei einem Konkurrenten arbeiten darfst. Für Praktikanten ist eine solche Klausel in der Regel unwirksam und du solltest sie nicht akzeptieren.
Haftungsklauseln
Achte darauf, ob der Vertrag Regelungen zur Haftung bei Schäden enthält. Eine Klausel, die dich für alle Schäden vollumfänglich haftbar macht, ist problematisch. Grundsätzlich gilt: Bei leichter Fahrlässigkeit haftest du nicht, bei grober Fahrlässigkeit nur anteilig.
Der Vertrag bei Minderjährigen
Wenn du noch nicht volljährig bist, gibt es eine wichtige Besonderheit: Deine Erziehungsberechtigten müssen den Vertrag mit unterschreiben. Ohne die Zustimmung deiner Eltern ist der Vertrag nicht wirksam. Das dient deinem Schutz, denn deine Eltern können den Vertrag prüfen und sicherstellen, dass alles in Ordnung ist.
Nimm den Vertrag nach Hause und besprich ihn in Ruhe mit deinen Eltern, bevor du unterschreibst. Seriöse Betriebe geben dir dafür ausreichend Zeit.
Was tun, wenn der Betrieb keinen Vertrag anbietet?
Manche Betriebe – besonders kleine Unternehmen – sind es nicht gewohnt, Praktikumsverträge aufzusetzen. Das ist nicht automatisch ein schlechtes Zeichen, aber du solltest auf einen schriftlichen Vertrag bestehen. Du kannst dem Betrieb anbieten, selbst einen Entwurf mitzubringen. Vorlagen für Praktikumsverträge findest du im Internet, zum Beispiel bei der IHK oder auf Seiten der Arbeitsagentur.
Wenn der Betrieb sich weigert, überhaupt eine schriftliche Vereinbarung zu treffen, solltest du vorsichtig sein. Ein seriöser Arbeitgeber hat kein Problem damit, die Rahmenbedingungen des Praktikums schriftlich festzuhalten.
Checkliste vor der Unterschrift
- Sind Beginn und Ende des Praktikums klar festgelegt?
- Stimmen die Arbeitszeiten mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz überein?
- Sind Lernziele und Tätigkeitsbereiche beschrieben?
- Ist die Vergütung (oder deren Fehlen) klar geregelt?
- Gibt es eine angemessene Kündigungsregelung?
- Ist ein Praktikumszeugnis zugesichert?
- Enthält der Vertrag problematische Klauseln (Wettbewerbsverbot, übermäßige Haftung)?
- Haben deine Eltern den Vertrag geprüft und unterschrieben (bei Minderjährigen)?
Fazit
Ein Praktikumsvertrag ist kein Zeichen von Misstrauen, sondern ein Zeichen von Professionalität. Er schützt dich und den Betrieb gleichermaßen und sorgt dafür, dass beide Seiten wissen, woran sie sind. Lies jeden Vertrag sorgfältig durch, besprich offene Fragen mit deinen Eltern und unterschreibe erst, wenn du alles verstanden hast. So startest du gut abgesichert in dein Praktikum.